Alma wird von Selbstzweifeln aufgefressen

Nun soll sie auf einmal die Abteilung führen. Ihre Chefs meinten, sie tun ihr damit einen Gefallen, aber eigentlich würde sie am liebsten wieder ihren Sachbearbeiter-Job machen. Als einzige weibliche Chefin in ihrem Umfeld ist sie nun zwischen lauter Männern - und ihre Führungs-Kollegen sind alle auch noch mindestens zwanzig Jahre älter als sie. Jetzt ist sie die Quoten-Chefin - darauf hat sie ja gar keinen Bock. Auch nicht auf die nervigen Besprechungen. Sie arbeitet viel lieber mit den Kunden direkt. Und dann weiß sie gar nicht, wie man das als Chefin eigentlich macht. Soll sie verändern oder lieber alles lassen wie es ist? Wenn sie was ändert, sind ihre Mitarbeiter ja bestimmt sauer und wenn nicht, dann schimpft der Chef. Was soll sie nur machen? Bevor sie etwas angeht, muss sie sich abends immer mit ihrem Freund in endlos langen Diskussionen absichern, ob sie auch wirklich das Richtige tut. Der belächelt sie nur noch - er selber ist kein Chef. Will er auch nicht. Aber für ihn sind die Dinge immer ganz einfach. Einfach machen und nicht zurückblicken. Alma aber blickt viel zurück, besonders auf ihre Entscheidungen. Hätte sie dies doch bloß anders gemacht, oder hätte sie jenes vielleicht doch anders entscheiden sollen? Sie wird gequält von diesen Zweifeln und blockiert sich damit in ihrer Tatkraft. Sie will es stets recht machen und nirgendwo anecken. Dafür ist sie ja berühmt: Sie lächelt immer - auch wenn Mitarbeiter ihr freche und unverschämte Dinge um die Ohren hauen. Sie ist durch und durch harmoniebedürftig, und wenn etwas schief geht, sucht sie die Fehler zuerst bei sich selbst.