Manuel und das „Du“

Ja richtig: Die Arbeitswelt verändert sich, und mehr und mehr werden Hierarchien und steife Förmlichkeiten aufgelöst. Allerdings sollte man dennoch ein Gespür dafür entwickeln, in welchem Umfeld es trotz allem besser ist, sich an gewisse Regeln und Umgangsformen zu halten. So wie Manuel es nicht verstanden hat, dass zwar der Ton in seiner IT-Agentur locker ist und alle - auch mit der Geschäftsführung - per Du sind. Als er bei einem neuen Kunden zum Termin dabei war, hatte er kein Feingespür dafür, dass in der Steuerberatungskanzlei der Partner lieber mit Sie angesprochen wird und nicht per Du. Den dezenten Hinweis von seinem Kollegen, der ihn beim Kunden freundlich zur Seite genommen hat, hat Manuel gekonnt ignoriert. Der alte Kollege soll sich nicht so wichtig nehmen und ist ohnehin etwas steif - Manuel weiß schon, wie er richtig kommuniziert. Leider hat er sein Du so konsequent durchgezogen und sich bei jedem in der Kanzlei mit „Hi, ich bin Manuel“ vorgestellt. Im Nachgang wurde Manuel zum Geschäftsführer zitiert und durfte sich anhören, dass er unmittelbar eine Verhaltensänderung erwarte und nun nicht mehr für den Kunden arbeitet. Dieser hatte sich freundlich, aber bestimmt dafür ausgesprochen, den jungen Manuel lieber nicht im Projekt dabei haben zu wollen. Leider wurde er nie darauf vorbereitet, wie wichtig eine adäquate Kommunikation im Arbeitsumfeld ist. Eine Mischung aus Unverständnis, Scham und auch Wut darüber, dass er es verbockt hat, beherrschen Manuels Gefühls-Achterbahn. Ins nächste Kunden-Meeting geht er sichtlich verunsichert.