Marco verwechselt Meetings mit Casting Shows

Wenn man zu viel fernsieht, kann es sein, dass man sich an den falschen Vorbildern orientiert. Nur blöd, wenn das dann auf den ersten Job abfärbt. Noch blöder, wenn man irgendwann im BWL-Studium mal den guten Rat bekommen hat, dass man immer etwas sagen muss, damit man in Erinnerung bleibt. In Ableitung zu dem Spruch „wer schreibt, der bleibt“. Also zieht Marco mehr als ein halbes Jahr seine Nummer durch, bis ihn sein Chef freundlich zur Seite nimmt und ihn darauf hinweist, dass er in Besprechungen nicht jeden zweiten Satz von Kollegen kommentieren muss. Auch ist er nicht Dieter Bohlen, der die Ideen von anderen Kollegen mit flotten Sprüchen bewertet. Gegen interessierte Fragen sei gar nichts einzuwenden. Aber Marco muss zu allem seinen Senf dazuzugeben - auch wenn er inhaltlich von dem Thema keine Ahnung hat. Hauptsache, er hat was gesagt. Den Kollegen geht er damit schnell auf den Geist, und sie sind genervt von ihrem neunmalklugen Youngster. Warum hat ihm eigentlich nie jemand erzählt, wie man sich in Besprechungen benimmt? Zumindest in seinem Studium ist er darauf nie vorbereitet worden, und in seinen bisherigen Praktika durfte er immer nur einfache Zuarbeiten erledigen. Auch deshalb war Marco so glücklich, endlich seinen ersten festen Job zu haben: Jetzt konnte er der Welt zeigen, was er draufhat. Nur leider schießt er in Besprechungen regelmäßig übers Ziel hinaus. Teilnehmen, zuhören, Fragen stellen und sukzessive in Bescheidenheit und Respekt gegenüber den Kollegen, die schon länger da sind, eigene Ideen einbringen. Das wäre wunderbar. Aber nicht alles kommentieren ab dem ersten Tag, als wäre man selbst der Superstar und müsse nun allen Bescheid geben …