Gedanken zum Ausbildungsstart

Erinnern Sie sich noch an Ihren Berufsstart? 


Morgen starten wieder tausende junger Menschen in ihre Berufsausbildung. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und eine Mischung aus Hoffnung, Vorfreude und Unsicherheit betritt die Arbeitswelt. Die meisten angehenden Auszubildenden werden heute Nacht unruhig schlafen und voller Aufregung morgen überpünktlich zu ihrem ersten Arbeitstag erscheinen. Endlich ist die Schule vorbei und man kann ins Arbeitsleben starten - mit was für einer Energie man da ins Berufsleben startet. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Momente seit mehr als 15 Jahren begleiten darf und frage mich immer wieder: Wohin verschwindet diese Magie des Anfangs? Wieviele Angestellte verfallen in einen regelrechten Trott aus unkreativer Routine, Missmut und Dienst nach Vorschrift?


Das Gefühl am Anfang des Berufslebens, man könne Bäume ausreißen, ist wunderbar - solange bis man merkt, dass das nicht immer so gut klappt. In kaum einer Lebensphase muss man mit so viel Frustration klarkommen, wie am Anfang des Berufslebens: Wollen und Können stehen in krasser Disbalance. Daher möchte ich mich bei all denen bedanken, die empathisch und behutsam Berufseinsteiger begleiten und mit einer guten Mischung aus Fordern und Fördern eine Entwicklung ermöglichen, von der die jungen Menschen ihr restliches Berufsleben zehren. Danke an alle Ausbilderinnen, Ausbildungsleiterinnen und Berufsschullehrerinnen! Danke an die Unternehmen und Betriebe, die auch in dieser turbulenten Zeit weiterhin ausbilden und somit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten.


Aber es gibt auch die anderen, die gar nicht so glücklich sind, „schon wieder so einen Azubi“ zu haben. „Der kann ja nix. Der macht nur Arbeit. Und was diese Jugend für eine Einstellung zum Arbeiten hat!“ Bei einer Veranstaltung vor Corona bekam ich ein Gespräch mit von einem jungen Manager um die 30, der sich in bildhaften Schilderungen darüber ausgelassen hat, wie unfähig sein Auszubildender ist. Offenbar ist es keine Frage des Alters, wie schnell man vergisst, dass man auch selbst mal ganz am Anfang stand. 


Na klar, junge Berufseinsteiger können nerven, weil sie nicht alles verstehen, weil sie sich manchmal etwas anstellen, und man manchen auch die Dinge mehrfach erklären muss. Natürlich nervt das! Aber wie haben Sie gestartet? Jeder hat mal als Neuling angefangen und war dankbar für alle Kolleginnen und Kollegen, die mit Geduld und der nötigen Portion Empathie geholfen haben. Vielleicht erinnern Sie sich das nächste Mal an Ihre ersten beruflichen Schritte bevor Sie sich über die Fehltritte Ihrer Auszubildenden lustig machen. Es liegt auch an uns Berufserfahrenen, ein Umfeld zu gestalten, in dem man gerne „das Arbeiten lernen will“. Wir gestalten die Zukunft gemeinsam!